Warum beschäftige ich mich mit dem Thema Recruitment? Auf Xing nervt mich dieses Klientel eher. Hier wird nicht zielgerichtet gearbeitet. Das ist aber gar nicht immer Schuld der Resourcensuchenden. Vielleicht hat der begehrte und nur mit Buzzwords ausgeschilderte Entwickler keinen Blog oder keinen Bock, um gesehen zu werden. Programmierer, eine große Untermenge der Entwickler, sind ja bekanntlich scheu und andererseits so mit ihrem Job ausgelastet, um sich nicht mit solchen ‘Nebensächlichkeiten’ zu beschäftigen. Vielleicht haben sie aber auch keine Ahnung vom Thema Marketing und von der Wichtigkeit desselben. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die andere Seite des Geldflusses, nämlich im Endeffekt der potentialle Käufer des Programmierers, nichts von ihm weiß und ihn daher nicht nach Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen einordnen kann.

Das ist aber genau die Lösung des Problems, das falsch als Fachkräftemangel verstanden wird. Letztlich hat ein einstellungsbedürftiges Unternehmen einen Pott von Geld, den es in Personal investieren kann und das Geschick, diesen Pott zu verwenden, entscheidet über den Erfolg des Unternehmens. Ganz einfach! Wie stopft man die Lücke der angeblich fehlenden Softwareentwicklern von 51.000 an Zahl? (Laut Bitkom, vor ein paar Monaten bei heise.de gelesen) Durch Ausbildung, kein Weg führt daran vorbei. Universitäre Lehre oder die Ausbildung an einer FH oder eine Lehre kann dies nur sehr begrenzt tun, es ist nur ein Anfang. Ausbildung kostet Geld und woher kommt das Geld? Zeit ist Geld und je besser Ressourcen eingesetzt werden, desto effizienter werden sie verwendet. Das ist der Grund, warum jeder Entwickler ein klares und verständliches Profil haben sollte. Das kostbare Gut Softwareentwickler darf nicht verschwendet werden. Das gute auch für den Entwicker: Er kann mehr Entlohnung verlangen, denn er nutzt seine Ressourcen optimal.

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Ich bin mit meinem Job zufrieden, bin aber offen für Neues, so wie der größte Teil der Softwareentwickler auf Stackoverflow, die gerne an Umfragen teilnehmen, so nachzulesen in den Developer Survey Results 2018 von Stackoverflow. Und ist das nicht eine völlig rationale Einstellung? Selbst habe ich ja schon zur Genüge erfahren, wieviel Zeit durch ungenaue Vorstellungen verbummelt wird und man erst über Umwege zu seinem Traumjob findet. Weiter weiß man doch nicht, was morgen ist. Wie geht es meinem Traumunternehmen morgen? Wie geht es mir dort morgen? Mein Lieblingsvorgesetzter flieht und ein Häcker tritt an seine Seite … Und warum nicht denselben tollen Job machen für das Doppelte? Nach oben gibt es schließlich für beide Seiten kein Genug

Deshalb überlege ich mir hin und her, wie ich mich am besten profiliere und bei meiner Recherche entdecke ich github und stackoverflow und checke die beiden.

github - Paradies für Recruiter und attraktiver Verkaufsstand für Entwickler?

Ich habe mein Profil auf github aufgehübscht und entwicklergerecht gestaltet. mit Code! Was soll der Profilsuchende meinem Coderprofil entnehmen und wie sucht/findet er mich? Ist github für beide Seiten geeignet?

Als Personaler wird man lokal suchen wollen. Wie bringe ich das zusammen mit den vielen Anfragen auf xing, ob ich - Entwickler aus Bonn - nicht einen Job in München annehmen möchte oder in Aachen? Was stellt sich so ein Personalvermittlungsmensch eigentlich vor? Klar, bin für alles zu haben. Familie, Haus und Freunde, das alles liegt in digitaler Form im Internet vor, ich bin unabhängig von Zeit und Raum? Ist es nicht schon schwer genug, Leute aus der Gegend für den Job zu bewegen? Oder ist es einfach Faulheit, zu zielen und Entwickler zielgerichtet anzusprechen. Das erste Kriterium ist nunmal der Ort. Und bei github auch eins von wenigen Filtern, die ich bei der Suche nutzen kann. Ganz oben links auf github.com gibt man als Suchender also tunlichst eine Ortsangabe an, z.B. location:bonn, wenn ich einen Entwickler für eine Arbeitsstelle oder für eine Aufgabe suche, die in Bonn vorliegt. Mit type:user schränkt man die Auswahl dann noch auf einzelne Entwickler ein, denn wir interessieren uns nicht für Unternehmen sodern für einzelne Entwickler. Mit language:python lässt sich diese Auswahl dann noch einmal drastisch einschränken. Waren es ohne Angabe von Sprache von 927, sind es jetzt nur noch 127 Entwickler. Diese Entwickler haben mindestens ein Repository in der angegebenen Sprache. Lässt man language:python weg und fügt stattdessen nur python ins Suchfeld ein, findet man Entwickler, in deren Profilbeschreibung Python vorkommt. Und wenn man ein bisschen mit der Sortierung herumspielt oder die Geduld hat, die Entwickler bis zum letzten durchzugehen - und diese Zeit sollte sich ein Personaler nehmen - findet man sogar mich. Denn mein erstes Repository ist ein Modul in Python für Odoo, ein Open Source ERP-System. Ein Usability-Utility mit Beispielprojekt, wie man es am besten einsetzt. Äußerst gut bin ich bereits zu finden unter location:bonn type:user odoo. Man muss also ein bisschen herumspielen und ja, die Plattform ist immernoch in erster Linie für Entwickler gedacht. Das merkt man an den arg technischen Suchmöglichkeiten. Der Personaler wird nur eine handvoll Sucheinstellungen interessant finden, von denen wir den größten Teil schon abgedeckt haben.

Eine starke Limitierung hat die Suche auf github allerdings. Merkst du was? Bei unserer Filterung sind wir auf 127 Entwickler gekommen, die sich auf github seit dem Bestehen der Plattform dort angesammelt haben. Sucht man einen Angestellten-Kandidaten, hat man dort keine so große Auswahl mehr, wenn man Selbstständige und Freiberufler oder Kiner herausnimmt, die noch zur Schule gehen. Das kann also nicht alles gewesen sein. Ich persönlich kenne keinen Kollegen, der nach seiner 40-Stundenwoche noch Code für github schreibt. Das können nur Leute ohne Familie oder Leute, die für Unternehmen arbeiten, die in der Open-Source-Domäne aktiv sind oder Leute, die als Student dort Code angehäuft haben. Stellvertrend für alle Entwickler ist die Aktivität auf github nicht. Umgekehrt: Wenn ein Entwickler dort ein Profil hat, lässt es bestimmt Rückschlüsse auf seine Arbeit zu, allerdings nur von einem Profi bewertbar. Von daher sollte ein Recruiter einen Entwickler zur Rate ziehen, um das Profil zu bewerten.

Was bedeutet das für mich? Wieviel Code habe ich schon weggeworfen, nachdem ich interessante Sachen geschrieben habe und ich habe gar nicht daran gedacht, dass jemand den Code verwenden könnte. Das eine Mal programmierte ich eine Beispiel-App für ein Vorstellungsgespräch, das andere Mal spielte ich mit Java herum und programmierte mir einen schönen Viewer für Go-Spiele. Ich mache mir nicht zu viele Hoffnung, werde aber ab jetzt meine Spielereien und Utilities auf github veröffentlichen. Zu finden bin ich dort jetzt jedenfalls und freue mich, mein Profil erweitert zu haben.

stackoverflow - Schon eher für Verwerter von Entwickler-Resourcen

github ist schon speziell für Entwickler gedacht. Der Personaler profitiert eher indirekt. stackoverflow ist da eher für die bezahlende Seite gedacht. Mal sehen, wie sich github unter Microsoft entwickelt. Der Kauf hat vor ein paar Wochen erst stattgefunden. Stackoverflow auf jeden Fall verdient Geld mit Personal-Dienstleistungen. Ich kann mich noch daran erinnern: Damals fragte sich Stackoverflow, wie es mit seiner Reichweite und Qualität an Informationen für und von Entwicklern Geld machen kann. Unternehmen können Jobangebote einpflegen, die den entsprechenden Entwicklern gezeigt werden, während sie Probleme zur Technologie lösen, die vom Unternehmen des Angebots eingesetzt werden. Nur gegen Bezahlung sind Entwicklerprofile auf stackoverflow auch nach Ort und anderen für Personaler wichtigen Kriterien durchsuchbar. Auf jeden Fall landet der Personaler dann auf dem öffentlichen oder einem von stackoverflow angereicherten Profil. Schon das öffentliche Profil bietet sehr viele aussagekräftige Informationen, die Personaler allerdings erst mal verstehen lernen muss. Auch wenn man gar nicht über stackoverflow Kandidaten sucht, ist ein Profil auf dieser Plattform eine wertvolle Informationen, um den Entwickler zu bewerten und kennenzulernen. Die Kandidatensuche könnte meiner Meinung nach offener sein. Aber das ist das Geschäftsmodell von stackoverflow. Der Prozess kann aber auch so laufen: Der Personaler recherchiert im Internet und stößt auf den Blog eines Entwicklers und der Entwickler verweist auf sein aufschlussreiches stackoverflow-Profil. Hier ist z.B. meins:

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Das mag sich später natürlich wieder ändern. Das markante an meinem Lebenslauf ist gerade, dass er sehr dynamisch ist. Und momentan sieht es halt so aus. Man sieht, ich beteilige mich nicht zu aktiv auf stackoverflow. Das gedenke ich zu ändern. Bedenkt man, wie oft ich auf der Suche nach Lösungen des Alltags auf stackoverflow lande und von Lösungen profitiere, sollte ich selbstverständlich auch etwas zurückgeben. Gleichwohl wird hier auch einfach deutlich, dass ich nicht unbedingt ein Community-Mensch bin. Viele, viele Softwareentwickler sind sehr gut in ihrem Job, aber nirgends im Internet anzutreffen. Wievielen bin ich als Kollegen begnet? Also sollte Personaler dankbar für jedes Profil sein und es vielmehr aufmerksam studieren. Aber Geben ist auf jeden Fall gut und wichtig und ich möchte diese Disziplin mehr einüben. Ob ich nun auf stackoverflow zurückgebe oder woanders. Schließlich ist stackoverflow auch nicht die wichtigste Plattform für Know-How für Softwareentwickler. Dort bekommt der fragende Entwickler einfach nur sehr bequem erreichbare Häppchen. Warum mehr anstrengen als nötig? Der Verdienst ist stackoverflow also sicher.

Auf dem Profil kann man erkennen, dass ich momentan hauptsächlich Odoo vorantreibe, ein ERP-System, das auf Python und PostgreSQL und Open Source basiert und supergut erweiterbar ist. Ich bin ein Fan dieses Systems! Dank sei meinem momentanen Arbeitgeber für das Kennenlernen dieses tollen Werkzeugs und die Gelegenheit, damit zu arbeiten. Ich habe bisher noch nicht so gut entwickeln können!

Ein anderer interessanter Blick auf ein Entwicklerprofil bei stackoverflow sind die Abzeichen:

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Ich habe also momentan 10 Bronze-Abzeichen, 0 mal Gold und 0 mal Silber. Im Verhältnis zu den knapp 90 Punkten Reputation doch gar nicht schlecht.

Meine Abzeichen, die selten sind, werden besonders herausgehoben

Self-Learner

Answer your own question with score of 3 or more

Custodian

Complete at least one review task. This badge is awarded once per review type

Ich habe dem Review eines Moderators zugestimmt, der meinen Code formatiert hat. Danke! Ich passe also auf.

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Toll!

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Und hier sind alle Abzeichen. Self-Learner schmeichelt mir mehr (Answer your own question with score of 3 or more). Witzig: Tumbleweed - Fuchsschwanz, Steppenläufer (Asked a question with zero score, no answers, no comments, and low views for a week). Ich bin ein ganz exotischer einsamer Fuchs, der eine Frage äußert, keiner interessiert sich dafür und ich beantworte meine Frage selbst. Das macht stackoverflow irgendwie überflüssig …